• Die “neue Konkurrenz”

Fangen wir mit dem Ride-Pooler „Allygator“ an. Der Karte im beigefügten Link ist zu entnehmen, daß sie a) nur Freitags Acht Stunden fahren und b) in einem stark begrenzten Gebiet zum absolut unterirdischen Kilometerpreis von 5 Cent vorrangig auf junge Leute zielen, die per App zusammengetan werden, um extrem billig z.B. zu ihrem Club oder Party zu gelangen. Das mutet niedlich an, wenn man die inhärente Datensammelei dabei übersieht, dürfte aber spätestens nach einer Wirtschaftlichkeitsprüfung am Ende des Ausschöpfens des Experimentierens im gesetzlichen Rahmen ein jähes Ende finden.

Schon ernster zu nehmen ist der Ride-Pooler „Clever Shuttle“. Sie bestechen durch eine Fahrzeugflotte, die konsequent emissionsfrei ist. Das schärfste Fahrzeug, welches sie da testen, ist der Toyota Mirai. Er verfügt über einen Brennstoffzellenantrieb, ist als Taxi in der Anschaffung aber zu teuer. „Clever Shuttle“ fährt ebenfalls nur im Zentralbereich der Stadt, dafür aber täglich – jedoch nicht exakt rund um die Uhr. Einen Fahrpreis pro gefahrenem Kilometer sucht man auf der Website vergeblich. Sie werden von der DB AG gepowert und es ist mehr als fraglich, ob man mit so einer teuren Fahrzeugflotte überhaupt wirtschaftlich plausibel bestehen kann. Auch dieses Projekt taugt bestenfalls dazu, Öko-Träume zu beflügeln und mit dafür zu sorgen, das Taxi-Gewerbe in den Orkus zu jagen.

Kommen wir zum Ride-Pooler „BerlKönig“. Bis jetzt ebenfalls nur im etwas erweiterten Zentralbereich der Stadt tätig, werden hier bereits Preise von 1,50€ pro Kilometer abgerufen. Man hat sich gleich an die Berliner Verkehrs-Betriebe (BVG) gekoppelt – Vielleicht, um eines Tages bei mangelnder Wirtschaftlichkeit so wie sie in den Genuß von Steuersubvention gelangen zu können. Vergessen wir nicht, daß Berlin eine Armutsregion ist, in der ein Drittel der Gesamtbevölkerung am Existenzminimum darbt.

Nicht unerwähnt gelassen werden soll der verkrachte Ex-Bundestags-Spediteur „RocVin“, der anlässlich des Bundestagsumzuges aus Bonn mit einer zu kleinen Fahrzeugflotte für die Fläche Berlins hier aufschlug, zusätzlich Taxen akquirieren mußte und diese ihre Leistungen zum Taxitarif abrechneten, während RocVin 11 DM pro Kilometer dem Steuerzahler in Rechnung stellte. Seitdem dieser Job von der „BwFuhrparkService“ übernommen wurde, hält sich RocVin auch mit der Annahme von Aufträgen durch UberX über Wasser.

„Allygator“ und „BerlKönig“ arbeiten – wie die zahllosen Uber-Zombies – mit getönten Fensterscheiben, sodaß man nicht ausmachen kann, ob sie bei subjektiver Beobachtung eigentlich eher gut besetzt sind, oder nicht. Es ist nur subjektiv, aber bei „Clever Shuttle“ habe ich meistens auch nur einen Fahrgast gesehen.

Tja, und dann kommen wir eben auch zum scheinbar exponentiellen Wachstum der Flotte von Uber-Taxisimulanten. Während eine ältere Schätzung der durchaus zahlenstarken, aber taxipolitisch eher irrelevanten „Taxi Gruppe Berlin“ vor gut einem Jahr von geschätzten 1200 Wagen ausging, würde ich heutzutage bereits eher von ca. 3000 Wagen ausgehen. Längst läßt das LaBO Berlin ganz offenbar auch in Berlin Uber-Mietwagen zu. Sie kommen nicht mehr nur ausschließlich aus dem Umland. Das LaBO Berlin führt einen argumentativen Zwei-Fronten-Kampf und beschwichtigt erzürnte TaxiunternehmerInnen mit Hohlphrasen und ist doch letztendlich dem Berliner Senat gegenüber weisungsgebunden. Dieser verfolgt seine „Vision“ eines Mobilitätsgesetzes und diffamiert das Taxigewerbe, „unmodern“ und quasi obsolet zu sein. Über „Visionen“ in der Politik hat Helmut Schmidt mal etwas Passendes gesagt, aber wir wollen jetzt mal (noch) nicht den Rahmen sprengen.

Es ist jedenfalls eine Tatsache, daß das Taxigewerbe in Berlin über eine dezentral organisierte, allen anderen Rosinenpickern weit überlegene Flotte von über 8000 Fahrzeugen verfügt und das gesamte Stadtgebiet rund um die Uhr bis in die entlegensten Winkel der Stadt und auch jederzeit darüber hinaus bedienen kann. Es gibt weit und breit nichts Effektiveres!

Moia gibt es in Berlin nicht, hier können die Hamburger Kollegen berichten:
Die Klage

Martin, Oktober 2018