Clown Busters

Gehören illegal operierende Mietwagenunternehmen in Hamburg der Vergangenheit an? Kann sich Berlin hier ein Beispiel nehmen? Ein Interview mit Hamburger Kutschern, die es wissen müssen.

Ziemlich genau vor einem Jahr startete Uber in Hamburg seine Mietwagenvermittlung, kurz darauf folgte Freenow-Ride. Wir erinnern uns gut an das Regelwerk, welches Hamburgs Verkehrsbehörde erließ und das schlicht Gesetzeskonformität von angehenden Mietwagenunternehmen verlangte. Besonders viele neugierige Blicke nach Hamburg kamen in diesem Juli 2019 aus Berlin, wo sich gut 8100 Taxen von ungefähr 1500 für Uber und Freenow fahrenden Mietwagen in ihrer Existenz bedroht sahen.
Nun, ein Jahr später, ist der Zuwachs an Mietwagenkonzessionen in Berlin, der Stadt mit einer “grünen” Verkehrssenatorin, die noch im letzten Oktober der Ansicht war, dass es Uber X in Berlin gar nicht gäbe, ungebremst. Ende Juni 2020 waren es 4700 Mietwagen, schätzungsweise gut 3000 davon im Einsatz für Uber und Freenow. Die verbleibenden Taxikonzessionen belaufen sich auf 7400, das entspricht ca. 200 pro 100.000 Einwohnern. In Hamburg sind es übrigens ca. 165.

Anlässlich dieser verheerenden Lage, die schon ohne Corona eine Katastrophe wäre, haben wir Kollegen aus Hamburg für ein Interview gesucht – und gefunden, die uns in einer Zoom-Konferenz erstaunliches berichten konnten:

Berlin: Wie sieht‘s bei Euch aus mit Uber- und Freenow-Mietwagen? Steigen die Zahlen bei Euch auch?

Hamburg: Im Gegenteil! Bevor das mit Corona losging waren für Uber ungefähr 120 Wagen unterwegs, zwischenzeitlich dann so fünf, zur Zeit sind es höchstens 10. Bei Freenow Ride waren es vor Corona – bis zum 18. März ca. 100 Wagen, dann nur noch Einer, jetzt sind es höchstens fünf.
Konstant fuhren vor Corona nur ‚MyChauffeur‘ mit 60 und ‚Ennoo‘ mit 20 Fahrzeugen. Der Rest war eher schwammig. Unternehmer haben sich mit Mietwagen versucht und sind teilweise schnell wieder verschwunden.

Berlin: Erfreuliche Entwicklung! Was passierte am 18. März?

Hamburg: Die Behörde entzog dem größten Subunternehmer von Freenow die Konzession! Damit verschwanden auf einen Schlag 60 aktive Mietwagen von der Straße und aus der Stadt – und 60 schneeweiße Teslas, die schon bereit standen, um hier eingesetzt zu werden, kamen gar nicht erst.

Berlin: Konzessionsentzug? Warum hat eure Behörde das getan?

Hamburg: Die Firma ‚MyChauffeur‘, die übrigens ihren Hauptsitz in Berlin hat, hat Aufträge für Freenow, Uber und auch andere Plattformen gefahren. Unsere Behörde hatte die Konzessionen für Mietwagen hier in Hamburg zwar genehmigt, denn die Gewerbefreiheit ist in Hamburg ein besonders hohes Gut, frei nach dem alten Motto “Anne Alster, anne Elbe, anne Bill, da kann jeder eener moken, wat hey will”. Aber weil man in der Hamburger Behörde nicht blöd ist, wusste man, dass mit diesen Konzessionen „taxiähnlicher Verkehr“ für Uber und Freenow durchgeführt werden sollte, keine klassischen Mietwagenfahrten. Deshalb gab es Auflagen.

Berlin: Welche?

Hamburg: Die Behörde machte von Anfang an deutlich, dass sie die Einhaltung der Rückkehrpflicht ernst meint. Sie verlangte daher den Einbau eines Wegstreckenzählers, der das überprüfbar machen sollte. Und die Mietwagen-Firmen mussten einen plausiblen Business-Plan vorlegen, dass ihr Geschäft trotz Rückkehrpflicht und 19% MwSt. eigenwirtschaftlich betrieben werden kann. Sie verlangte Bürgschaften von den Mietwagenunternehmern, die diese realistischerweise nur von Uber und Freenow hätten bekommen können. Aber die bekamen sie nicht, sondern nur so vage Versprechen, die die Behörde nicht akzeptierte. Außerdem bestand die Behörde auf der Einhaltung aller Gesetze, zum Beispiel des Arbeitsrechts, den Anforderungen an einen Betriebssitz und so weiter. Und natürlich hatte die Behörde Zugriff auf alle Daten verlangt und ihn sich verschafft.

Berlin: Moment, ihr wollt uns doch nicht ernsthaft erzählen, dass eure Behörde die Einhaltung von Gesetzen und Auflagen auch nach der Genehmigung tatsächlich überprüft hat?!

Hamburg: Doch hat sie.

Berlin: Von so was träumen wir in Berlin! Kaum vorstellbar, dass die 15-18 Mitarbeiter des LABO, also unserer Behörde, das hinkriegen würden!

Hamburg: Doch, doch, das geht, das kann man machen. Rechtsstaat und so, das geht!

Berlin: Theorie und Praxis…

Hamburg: Es scheint, dass euer LABO das Uber-Problem so angeht, wie Trump das mit Corona – nämlich gar nicht. Die Zustände bei euch in Berlin sind auch bei uns in Hamburg Thema. Auch bei unserer Behörde. Aber sicher nicht nur bei uns, sondern in ganz Deutschland. Is‘ halt Hauptstadt.

Berlin: Was hat eure Behörde bei dieser Mietwagenfirma …wie heißen die?

Hamburg: ‚MyChauffeur‘…

Berlin: Ah, ok, was haben die bei ‚MyChauffeur‘ gefunden?

Hamburg: Nun, wir können hier nur das sagen, was unsere eigenen Recherchen ergeben haben, aber wir gehen davon aus, dass die Behörde mindestens zu den gleichen Ergebnissen gekommen ist, vermutlich aber zu mehr.

Berlin: Zu welchen Erkenntnissen seid ihr gekommen?

Hamburg: Also zuerst hatte diese Firma ‚MyChauffeur‘ einen Firmensitz sage und schreibe in Form eines – Rollschranks, in einem Gebäude in der Innenstadt. Dann verlagerte ‚MyChauffeur‘ seinen Betriebssitz an eine Adresse in einem Gewerbegebiet. Aber auch hier konnten wir kein Büro entdecken und auf dem Parkplatz standen entweder Neufahrzeuge oder welche, die keiner Schicht zugeteilt waren.
Bis zum Ende von Clevershuttle hatte ‚MyChauffeur‘ übrigens große Probleme, Fahrer in Hamburg zu rekrutieren. Danach sind viele Clevershuttle-Fahrer direkt zu ‚MyChauffeur‘.

Berlin: Woher wusstet ihr, dass die Autos auf dem Parkplatz nicht eingeteilt waren? Kanntet ihr die Fahrzeuge?

Hamburg: Ja, es hat zwar etwas gedauert, aber bald hatten wir sie alle identifiziert. Wir kannten jedes Kennzeichen, jede Marke, jede Farbe und konnten die Autos zuordnen. Wir kannten auch viele der Fahrer und wussten auch, an welchen Tagen sie auf welchen Autos für welchen Anbieter fuhren und auch, wie viele Stunden… – wir nennen sie übrigens ‚Clowns‘.

Berlin: Wieso Clowns?

Hamburg: Das hat inzwischen Tradition. In USA und UK nennen die bösen Taxifahrer die Uberfahrer “Clowns”. Und zwar weil sie keine Taxifahrer sind, keine Profis. Sie kennen sich nicht aus, mussten nichts lernen, haben keine Prüfung abgelegt und mussten nichts vorweisen, um fast den gleichen Job zu machen, wie wir. Sie tun also nur so als ob und lassen sich von einem Ausbeuter wie Uber anstiften, diese Dummheiten aufzuführen. Es sind keine Erwachsenen, keine Männer, die einen ehrlichen Job machen.

Berlin: Wieso die “bösen” Taxifahrer?

Hamburg: Freenow ist eine Tochter von Mercedes und BMW. Diese beiden Konzerne haben sich für ihr “Ride”-Produkt übler Typen bedient, die sich an keine Gesetze halten. Sie taten das, weil das Management von Freenow Angst vor dem Markteintritt von Uber hatte. Sie wollen Uber in Deutschland mit Ubers eigenen Methoden schlagen und somit selber zu Uber werden. Das Image von Freenow ist trotzdem nicht nur sauber, sondern rein. Hätten Taxiunternehmer so agiert, würden sich die Zeitungen oder der ADAC wieder über die “bösen” Taxifahrer ereifern.

Berlin: Aber immerhin jagen die Clowns mit dem sauberen Image den “bösen” Taxifahrern erfolgreich die Kundschaft ab.

Hamburg: In Hamburg nicht mehr.

Berlin: Wie habt ihr das alles über die Clowns herausgefunden? Das muss doch ein ziemlicher Aufwand gewesen sein.

Hamburg: Es gab 3 Phasen. Die erste Phase war Aufklärung: Taxifahrer sind rund um die Uhr auf der Straße. Sie sehen einen Uber hier oder ein verdächtig nach Uber oder Ride aussehendes Auto dort. Man macht ein Foto und hat das Kennzeichen. Erst eins, dann zwei und plötzlich sind es 1000. Die Kennzeichen kamen in eine Datenbank. Die Daten muss man natürlich auswerten und irgendwann ergeben sich zwangsweise Muster und Regelmäßigkeiten. Man erkennt, welches Auto ein MietClown ist und welches nicht, man weiß bald, wo die Clowns sich verstecken, wann und wo sie auftauchen und zu wem sie gehören.
Phase 2 war die Jagd. Wir hatten eine kleine, aber feine Truppe handverlesener Kollegen gebildet, die während der Schicht und an freien Tagen auf die Jagd gingen. Wer einen Clown auf der Straße entdeckte, machte ein Foto mit ‚Timestamp‘ und Geo-Daten. Tja, und dann bestellt man ihn und macht einen Screenshot von dem Vorgang. Nimmt er den Auftrag an und ist nicht auf dem Weg zurück zum Betriebssitz, dann hat man ihn. Mit der Zeit bekommt man Routine darin und macht das Gefummel mit dem Smartphone so nebenbei.

Berlin: Das alles während der Fahrt?

Hamburg: Na klar. Handy in der Halterung, ‚Timestamp‘ auf Stand-by und an der nächsten Ampel macht es “Klick”.

Berlin: Ist das nicht ziemlich nervenaufreibend und stressig?

Hamburg: Anfangs ja. Total. Aber sobald man es drauf hat, macht es sogar Spaß. Man bekommt ein Gefühl dafür, ob man gleich einen Treffer landet oder eine Niete zieht.

Am Ende haben wir sogar Treibjagden gemacht, wo der eine fotografiert und den Standort gemeldet hat und ein anderer hat von Zuhause das mit der Bestellung und den Screenshots erledigt. Ein Kollege hatte in seinen Geburtstag hinein gefeiert, indem er um Punkt 0:00 Uhr den Auslöser drücken konnte und so einen fetten Uber-Fang machte. Man kann sie mit unserer Methode auch gleich mehrfach abschießen, denn insbesondere die Ride-Clowns von ‚MyChauffeur‘ hielten sich an gar nichts.

Sie cruisten rum, waren nonstop in Bewegung, stellten sich illegal bereit oder haben sich irgendwo versteckt.


Die Fahrer nahmen die Autos mit nach Hause und machten die Fahrzeugübergabe irgendwo in der Stadt. Wir haben die Autos auch einfach am Straßenrand entdeckt und geknipst. Deswegen gab es auch nie Clown-Autos auf dem Parkplatz von ‚MyChauffeur‘. Sie starteten nicht, wie vorgeschrieben, die erste Tour am Tag vom Betriebssitz aus, sondern von Zuhause.

Durch unsere Aufklärung und die Jagd fielen auch andere Erkenntnisse an, zum Beispiel wurden einige Fahrer zu vertrauten Gesichtern. Wir entdeckten, dass sie am Wochenende bis zu 20 Stunden nonstop fuhren.

Mindestens ein Clown fuhr monatelang mit falschem Profilbild bei Uber und Freenow. Wer da wirklich hinter dem Steuer saß und wie viele Typen unter dieser einen Identität fuhren, wissen wir nicht. Man konnte sich in der Freenow Fahrer-App ohne Probleme auf einen anderen Wagen anmelden und so theoretisch auf zwei Wagen gleichzeitig mit dem gleichen Profil fahren.
Ein weiterer Clown war zumindest einmal mit komplett falschem Profil unterwegs. Ein Anderer war in der Uber App wochenlang einer Firma mit Betriebssitz irgendwo bei München zugeordnet.
Einige Fahrzeuge hatten keinen Wegstreckenzähler, obwohl die Behörde klar gemacht hatte, dass das Pflicht ist. Andere Fahrzeuge hatten zwar einen, aber dort leuchtete immer nur „err“ im Display auf, was bedeutet, dass das Ding ohne Funktion während der Fahrt in Betrieb ist.

Oder der Wegstreckenzähler war einfach ausgeschaltet. Die Clowns wussten teilweise auch nicht, was das überhaupt ist und waren der Meinung, alles läuft über die App.

Berlin: Und eure Behörde? Was machte die?

Hamburg: Die Hamburger Behörde war parallel zu uns mit einem eigenen Außendienst unterwegs. Sie haben ähnlich gearbeitet wie wir, konnten aber auch vor Ort Fahrzeugkontrollen durchführen. Dabei muss es wohl zu unschönen Szenen gekommen sein, wo Uber/Ride-Fahrer den Beamten der Behörde gegenüber aggressiv wurden.

Berlin: Wart ihr dabei?

Hamburg: Es ergab sich zufällig, dass wir zur gleichen Zeit am Flieger jagten, wie die Behörde.
Als klar wurde, dass die Behörde ihre hohen Anforderungen an die Mietwagenunternehmer ernst meint, haben Uber und Freenow den Unternehmern geraten, ihre Betriebssitze nach außerhalb zu verlegen. Von Uber wurden den Unternehmern Papiere überreicht, die für den Laien aussehen konnten, wie amtliche Dokumente mit Wappen und so, auf denen alles genau beschrieben wurde: Welcher Vorort von Hamburg großzügig Konzessionen vergibt, die Adressen und Kontaktpersonen in den dortigen Behörden, Makler, die Angebote für Fake-Betriebssitze in der Umgebung machten. Diese Dokumente von Uber haben wir. Unsere Behörde wusste davon und hat sich darum gekümmert.

Berlin: Hattet ihr während der zweiten Phase, also der Jagd, schon Kontakt zur Behörde aufgenommen?

Hamburg: Die Hamburger Taxi-Behörde arbeitet ähnlich wie die Polizei auf der Reeperbahn. Sie will wissen, was läuft in ihrem Kiez und sie will ihre Pappenheimer kennen. Und das tut sie. Sie kennt die meisten persönlich: die Taxiunternehmer, die Verbandslurche und die Zentralenfürsten. Sie kennt ihre Pappenheimer ganz genau. Und sie genießt ein gerüttelt Maß an Vertrauen im gesamten Gewerbe. Dies hat die Behörde über die Jahre erreicht, indem ihre Tür – nach Terminabsprache – immer offen steht. Es gibt kein Geklüngel, denn wir sind in Hamburg und nicht in Köln und wenn man zur Behörde geht, dann gibt es Kaffee und einen netten Plausch, aber wenn man wieder raus kommt, dann fällt einem auf, dass die Behörde trotz der netten Art die ganze Zeit klar gemacht hat, wie die Sache läuft. Und zwar nach Vorschrift. Die Sprache ist nett, aber die Sache ist ernst.

Die Clowns von ‚MyChauffeur‘ haben diese Sprache offenbar nicht verstanden. Eine Behörde zieht nicht einfach sofort den Stecker bei einer Firma, sondern verwarnt vorher, spricht die Probleme an und macht auf Defizite aufmerksam. Sie kann es sich nicht leisten, zu pfuschen und im Falle unserer Hamburger Behörde, haben die auch nicht den Ehrgeiz zu pfuschen. Die pupsen nicht in ihren Sessel oder lesen Bildzeitung, die wollen einen guten Job machen, wissend, dass es am Ende auch weniger Arbeit ist, als hätte man einen permanenten Saustall zu beaufsichtigen, wo einem alle ständig auf der Nase ‘rumtanzen.

Berlin: Das klingt nach LABO…

Hamburg: ‚MyChauffeur‘ ist ja eigentlich eine Berliner Firma, der Hamburger Sitz war nur eine Zweigstelle. Und da die Hamburger Behörde eine Akte über ‚MyChauffeur‘ hat, wo alle Verstöße und Missstände dokumentiert sind und aus der das – zumindest unseriöse, eigentlich aber ungesetzliche – Vorgehen der Firma hervorgeht, dann wird so eine Akte auch an die Behörde der Stadt verschickt, in der die Firma ihren Hauptsitz hat. So ist es jedenfalls normalerweise. Man kann also davon ausgehen, dass beim LABO eine Akte über ‚MyChauffeur‘ aus Hamburg angekommen ist. Ginge es mit rechten Dingen zu, hätte euer LABO jetzt Anlass, die Praktiken der Firma auch in Berlin unter die Lupe zu nehmen. Wegen der Beförderung von Menschen müssen nicht nur Taxiunternehmer, sondern eben auch Mietwagenunternehmer in ihrer Geschäftsführung der Behörde gegenüber vertrauenswürdig erscheinen. Bei ‚MyChauffeur‘ war das in Hamburg nicht der Fall. Da aber ein Fisch immer vom Kopf her stinkt, stellt sich die Frage, was bei ‚MyChauffeur‘ in Berlin anders sein sollte.

Berlin: Eine interessante Frage! Erzählt uns von Phase 3.

Hamburg: In Phase 3 haben wir unsere dokumentierten Fälle für die Behörde aufbereitet und zugänglich gemacht. Phase 2 und 3 überlappen natürlich. Wir haben pro Woche so durchschnittlich 30 belastbar dokumentierte Verstöße an die Behörde gegeben, also nur die besten, die Highlights. Und das über den Zeitraum von ein paar Monaten. Wir haben einfach bis zum Schluss geliefert.

Naja, was heißt “einfach”, das war eine tierische Arbeit, für die insbesondere ein Kollege auch beträchtliche finanzielle Einbußen hingenommen hat. Im Dezember war zwar Weihnachtsgeschäft, aber Du kannst nicht gleichzeitig fahren, jagen, dokumentieren und aufbereiten und auf den gleichen Umsatz kommen. Und dann kam auch noch der beschissene Jahresanfang und nun Corona. Aber das Ergebnis rechtfertigt am Ende den Einsatz und alle, die dabei waren, finden, den Spaß war es wert!

Berlin: Gibt es etwas, das ihr aus der ganzen Aktion gelernt habt? Und – würdet ihr es wieder machen?

Hamburg: Also zuerst: In Berlin wurde eine App entwickelt, um Clowns zu jagen. Da ist die Datenbank gleich hinten dran und – keine Ahnung, was die noch alles kann. Aber – diese App wurde nicht weiterentwickelt und sie war nur für Berlin oder was weiß ich, jedenfalls war diese App nicht die Lösung, obwohl sie technisch sicher gut ist. Die Lehre daraus ist, dass man das einfachste Werkzeug für den Job nehmen muss. Das Werkzeug, das da ist und die Sache erledigt. Das war in unserem Fall ‚Timestamp’, eine ordentliche Buchführung und eine Chat-App. Fazit: Warte nicht auf die Wunderwaffe. Den Job erledigen immer noch die Menschen, die den Job auch wirklich erledigen. Werkzeuge sind nur Werkzeuge dafür, kein Ersatz.

Zweitens: Obwohl die Aufgabe mit einer Masse von Daten, Clowns und Verstößen verbunden war, war die Truppe klein. Das ist die wichtigste Erkenntnis. Man braucht ein kleines Team. Es ist fast unmöglich, größere Gruppen zu bewegen, weil nie ein Konsens erreicht wird. Und das wichtigste ist: Keine Schwätzer, nur Macher. Eine handvoll Macher schafft mehr, als ein Heer von Schwätzern!

Drittens: Kenne Deinen Gegner! Für uns waren das nicht Uber oder Freenow, sondern die Subunternehmer, hier vor allem ‚MyChauffeur‘. In Berlin mögen das andere und mehr sein, aber bei uns stellte es sich so heraus. Eine Demo gegen Uber oder Scheuer ist schön und gut, aber eine Demo ist ein Magnet für Schwätzer und wir fanden, Uber und Scheuer sollten nicht unser Gegner sein. Auch die Behörde war nicht unser Gegner, was an der besonderen Hamburger Situation liegt und in Berlin wohl so nicht der Fall ist.

Wir kennen eure Berliner Verhältnisse ja nicht so ganz genau, aber es scheint, dass euer Gegner wirklich diese grüne Senatorin ist. Nicht Uber, nicht Freenow oder sonst irgendwelche Trickspieler, die Clowns auf die Straße schicken. Es scheint, dass die Politik eurer Senatorin das entscheidende Problem ist. Ihre Prioritäten, ihre ganz persönlichen Entscheidungen und vor allem ihre Unterlassungen. Es scheint, sie ist die Schutzheilige für eure Clowns. Sie ist euer Gegner.

Berlin: Ja. Berlin hat tatsächlich ein Prioritäten-Problem. Macht ihr weiter?

Hamburg: Ja.

 

3 Kommentare zu „Clown Busters“

  1. Volkmar Richter

    Absolut guter Beitrag 👍 wünsche ich mir in Berlin auch, endlich mal ein paar Kollegen mit „Eiern in der Hose“ und dem dazugehörigen Grips Klasse

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