Gewitterleuchten

Ein Großteil der Taxifahrer in D konnte gestern endlich zwei wichtige Erkenntnisse gewinnen:

1. Hält man zusammen, ist man nicht nur eine nützliche Kraft in der Gesellschaft, die sich darauf verlassen kann, dass die in ein Gesetz gegossene Lebenserfahrung der Vorgänger im Rahmen eines klar definierten Aufgabenbereiches für eine Mehrheit im staatlichen, definierten Gesamtsystem funktioniert und

2. Ist man sich darüber bewusst, wie viele wir eigentlich sind, wird klar, dass diese Kraft auch in ein Druckmittel zur Durchsetzung der Erhaltung jenes bewährten Rahmens umgewandelt werden kann.

Wir sind überwältigt von der massiven Teilnahme an diesen bundesweiten Demonstrationen.

Offenbar waren Teile der Berliner Polizei auch überwältigt im Angesicht der realistisch geschätzten 5000 Taxen, als sie unserer Ansicht nach zwei der drei Taxiströme bei der Ausübung ihres Demonstrationsrechtes nicht ausreichend unterstützten – wir haben hier eine freundliche Formulierung gewählt.

Eine Veranstaltung, die sich als Mündung einer Kraftanstrengung versteht, welche sich wiederum zwangsläufig aus den Entbehrungen der die Kraftanstrengung Vornehmenden nährt, ist nur dann erfolgreich, wenn sie diese Vornehmenden mit Zuversicht entlässt. Dies ist dem sich zum „Bundesverband Taxi und Mietwagen“ umbenannt habenden BZP ausgerechnet diesmal nicht gelungen.

Schlimmer noch: Die Kundgebung, die durchaus als albernes, personifizierendes Politgeplänkel bezeichnet werden kann, wurde bereits begonnen, als noch nicht einmal die Hälfte der die Demonstration durchführenden Teilnehmer zur Kundgebung eingetroffen war. Auch dies mit freundlicher Unterstützung der Berliner Polizei.

Der ehemalige „BZP“ ist gestern trotz seiner offenbar hervorragenden Vernetzung und Organisationskraft an die Grenzen seiner politischen Leistungsfähigkeit gestoßen!

Die vor laufenden Fernsehkameras getätigten Einlassungen des Herrn Müller, den hyperinterventionistischen Überwachungskapitalisten und betriebswirtschaftlichen Absturzpatienten „Uber“ in seine Wettbewerbsüberlegungen überhaupt noch miteinzubeziehen, sind erstens nicht gerade Zeugnis eines hervorragenden Informationsstandes und stellen zweitens auch keine Berechtigung dar, sich als Sprecher für die Massen von Taxifahrern aufzuspielen, deren Realität im Berliner Fron-Alltag zugunsten von Proprietären davon geprägt ist, dass sie ihren Umsatzverlust trotz permanent steigender Lebenshaltungskosten bereits auf ca. 30% beziffern.

Darüber hinaus ist es jetzt nach dem Beweis, dass wirklich alle wissen, worum es geht, an der Zeit, mit diesem Verband ein politisches Hühnchen zu rupfen, weil er in einer Abstimmung selbst für die Abschaffung der Ortskundeprüfung bzw. der Verpflichtung zum Vorhalt eines „Navigationsgerätes“ plädierte und damit klar das wertvolle Image des Taxigewerbes beschädigte, welches speziell zu erhalten ist und vom Fahrgast ganz selbstverständlich erwartet wird. Der Verblödung Vorschub zu leisten, lehnen wir ab!

Wir weisen darauf hin, dass wichtige Prinzipien der Staatsgründung der Republik als progressive Avance und Antwort auf den vorangegangen Faschismus ernst gemeint waren. Wir werden es nicht hinnehmen, dass darin gelebte und entwickelte Prinzipien eines Demokratieexperimentes Stück für Stück wieder abgerissen werden. Wir denken den Staat auch als menschenwürdiges Bollwerk gegen die mathematischen Gesetze des „freien Marktes“. Sickert die Geldmacht in essentielle Strukturen einer Staatsvision, ist eine Faschisierung nicht mehr weit! Dieser pseudo-“neoliberale“ Geist, der, exemplarisch im Transportsektor, Datenaneignung durch Konzerne fördert, ist tendenziell bereits totalitär.

Der Anschlag auf das Personenbeförderungsgesetz ist von langer Hand vorbereitet worden. Bei den „Akademikern“, den wissenschaftlichen Beiräten, den Verwaltungsbeamten im AK ÖPV und auch Opportunisten jeglicher Couleur politischer Parteien.

Sich darauf zu fokussieren, beleidigt zu sein, weil ein gekränkter Narziss auf einer Veranstaltung ins Mikrofon schreit, Reservate in Form von „Schutzzonen und Winkebereichen“ für uns einführen zu wollen und dieses auch noch als Respekt kennzeichnet, liegt uns auch fern.

Niemand will sich offenbar daran erinnern, aus welchem Geiste unser „Markt“ entstanden ist. Das ist traurig, aber nicht hoffnungslos.

Wir denken mal so etwas wie Streikräte an. Als Ersatz für zu schwache Repräsentanten, denen die Existenzangst so abzugehen scheint.

Nicht wir sind es, die Forderungen stellen, sondern Konzerne!

Es geht schlicht um die Einhaltung und den Erhalt bestehender Gesetze. Der Gesprächsrahmen muss endlich erweitert werden. Die „Beförderungsart Taxi“ ist das Stichwort, nicht die Rückkehrpflicht. Die, um Modernität zu suggerieren, so getauften „neuen Verkehrsdienstleister“ bieten eben ganz banal die Dienstleistung „Taxi“ an. Das können sie mit einer Taxikonzession auch gerne tun. Wollen sie aber nicht, das hieße nämlich den Fuß aus der Tür zu nehmen, die zu geschätzten, bislang kleinteilig erwirtschafteten und verwalteten, 5 Milliarden Euro Jahresumsatz führt.

Die Konzerne haben uns den Fehde-Handschuh hingeworfen. Es ist an uns, die gestrigen Erkenntnisse in Taten umzusetzen.