mytaxi schafft sich selber ab

Auch wenn Herr Diepenhorst von mytaxi im Sendung-mit-der-Maus-Stil das Taxigewerbe für dumm verkaufen will: Das täuscht nicht über den massiven Angriff auf unsere Existenzen hinweg!

Und er lügt nicht. Man muss nur verstehen wer mit “uns” gemeint ist.

WARUM INTEGRIERT MYTAXI /FREE NOW MIETWAGEN IN DIE APP ?

Wir sehen uns mit einer Veränderung der Rahmenbedingungen konfrontiert und das gilt nicht nur für myTaxi, das gilt für die gesamte Taxibranche:
1. Die Gesetzgebung wird überarbeitet,
2. Durch die Deregulierung, die uns ins Haus steht, eröffnen sich ganz, ganz neue Absatzpotentiale: fantastische Chancen, mehr Geld zu verdienen und
3. explodiert der Wettbewerb.

….

abkratzen?

 

zur Erinnerung an den März diesen Jahres:

Rote Linie überschritten

Mit empörender Impertinenz hat mytaxi noch einmal gezeigt, wo dessen Fokus liegt: Zwei Tage vor der anstehenden Demonstration in München lässt mytaxi verlauten, dass diejenigen Fahrer, die exakt an dem Vormittag des Warnstreiks in Bayern bzw. der Kundgebung in München im Zeitraum von 6 Stunden 9 Aufträge abarbeiten, einen Brosamen-Bonus von 50€ erhalten werden, was natürlich – wenn überhaupt – nur zu schaffen ist, wenn man sich von jeglichem Eintreten für seine eigenen Interessen fernhält. Es ist nicht nur der erhabene Duktus, der mytaxis Kommunikationsstrategie in einem sehr schlechten Licht angesichts der historischen Verfehlungen der Daimler Benz AG erscheinen lässt und als Anrede gegenüber ihrer Datenlieferanten und Arbeitausführenden ein „Du“ – unter Missachtung gesellschaftlicher Mindeststandards – statt eines „Sie“ wählt.

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Uber gibt (endlich) zu, in direktem Wettbewerb zum öffentlichen Personennahverkehr zu stehen

Übersetzung des Artikels Uber (Finally) Admits It’s Directly Competing With Public Transportation von Aaron Gordon, erschienen auf jalopnik.com am 12.4.2019

Uber hat ein kompliziertes Verhältnis zu öffentlichen Verkehrsmitteln. Es kannibalisiert ganz offensichtlich Fahrten mit Zügen und Bussen derjenigen, die einen bequemen, privaten Autoservice bevorzugen und ihn sich leisten können. Gleichzeitig behauptet das Unternehmen, das sogenannte “Last Mile”-Problem anzugehen, also wie Menschen von Orten außerhalb der Fußnähe zu öffentlichen Verkehrsmitteln gelangen. Sie sagen auch, dass sie Transportdienstleistungen für so genannte Transitwüsten erbringen, obwohl ihre Definition von einer solchen tendenziell keine Busse beinhaltet.

Das Unternehmen hat seit langem eine Seite auf seiner Website über alle Möglichkeiten, wie es die Transitdienste unterstützt und nicht verletzt, einschließlich des folgenden Teils:

Mit zuverlässigen Transportmöglichkeiten kann das Fahrtenteilen nicht nur den Menschen helfen, zur nächsten Haltestelle zu gelangen, sondern auch:

1. Lücken im bestehenden öffentlichen Nahverkehrsdienst schließen

2. Zugang zu unterversorgten Gemeinden ermöglichen

3. Zur Linderung der Nachfrage nach Parkplätzen führen

4. Die Kosten für ungenutzte Routen oder Dienste senken

Uber geht sogar soweit, zu beanspruchen, daß solche Anstrengungen und Partnerschaften mit den regionalen Verkehrsbehörden Teil dessen Mission seien, “den Zugang zum Verkehr zu verbessern”. In diesem Sinne haben sie Anfang des Jahres ihre App in begrenzten Märkten um den öffentlichen Nahverkehr erweitert.

Doch Ubers Antrag auf einen Börsengang am Donnerstag zeichnet ein ganz anderes Bild vom Verhältnis des Unternehmens zum öffentlichen Nahverkehr.

Während in der Anmeldung die Bemühungen des Unternehmens erwähnt werden, den Fahrgästen “multimodale Fahrten” anzubieten, die nach eigenem Ermessen auch öffentliche Verkehrsmittel umfassen können, macht die überwiegende Mehrheit der in der Anmeldung genannten öffentlichen Verkehrsmittel deutlich, dass das Unternehmen Busse und Bahnen als konkurrierende Dienstleistungen betrachtet.

Bruce Schaller, ein Transportanalytiker, der sich intensiv mit der Mietwagenindustrie beschäftigt hat, sagt, dass dies einer der Vorteile der öffentlichen Anmeldungen ist. “Sie müssen korrekt sein. Sie können nichts falsch darstellen. Es ist schön zu sehen, dass Uber ausnahmsweise einmal offen über seine Beziehung zu öffentlichen Verkehrsmitteln spricht.”

Von dem Zeitpunkt an, an dem Uber eine Stadt betritt, zielt das Unternehmen darauf ab, “schnell eine effiziente Größenordnung und Liquidität zu erreichen, um die Verbraucher anzuziehen, unsere Plattform als Alternative zum Besitz von Privatfahrzeugen und zur Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel zu nutzen und die Führung in der Kategorie Mitfahrgelegenheiten zu übernehmen”.

Das ist eine Menge Fachjargon, aber im Wesentlichen senkt das Unternehmen den Preis für jede Fahrt und setzt Anreize für den Fahrer, um Ubers mit dem öffentlichen Verkehr wettbewerbsfähig zu machen. Und sie tun dies gerne “in einer negativen Marge” – sie verlieren Geld – “bis wir eine ausreichende Größenordnung erreichen, um die Anreize zu reduzieren”.

Wenn man bedenkt, dass Uber in New York, einem seiner größten Märkte, immer noch Vergünstigungen und Werbekodierungen anbietet, ist nicht klar, was diese “ausreichende Größe” eigentlich ist.

An anderer Stelle, in einem Abschnitt mit dem Titel “Unsere Wachstumsstrategie”, sagt Uber:

Wir glauben, dass wir die Anzahl der Fahrten mit unseren Ridesharing-Produkten weiter erhöhen und den Besitz und die Nutzung von Privatfahrzeugen und öffentlichen Verkehrsmitteln jeweils einzeln ersetzen können, auch durch weitere Investitionen in unsere erschwinglichen Mitfahrmöglichkeiten wie Uber Bus und Express POOL.

Uber nennt seinen härtesten Wettbewerb in diesem Bereich auch “den öffentlichen Verkehr, der in vielen Städten typischerweise die kostengünstigste Verkehrsart ist”.

All diese neuen öffentlichen Erklärungen ergeben Sinn, wenn man eine gottverdammte Sekunde lang darüber nachdenkt, was Uber ist. Die Einreichung zeigt auch, dass 24 Prozent aller Fahrten des Unternehmens aus fünf riesigen Städten stammen – New York, Los Angeles, San Francisco, London und São Paulo -, von denen vier über robuste öffentliche Verkehrsmittel verfügen, die seit Ubers Einführung rückläufige Fahrgastzahlen verzeichnen konnten, obwohl ihre Gesamtbevölkerung zunahm.

Hoffen wir, dass damit Ubers jahrelanges “Gaslighting” beendet wird, das tatsächlich den öffentlichen Verkehr unterstützt, obwohl es dies ganz klar nicht tut und ganz offensichtlich nicht will.

 

Gewitterleuchten

Ein Großteil der Taxifahrer in D konnte gestern endlich zwei wichtige Erkenntnisse gewinnen:

1. Hält man zusammen, ist man nicht nur eine nützliche Kraft in der Gesellschaft, die sich darauf verlassen kann, dass die in ein Gesetz gegossene Lebenserfahrung der Vorgänger im Rahmen eines klar definierten Aufgabenbereiches für eine Mehrheit im staatlichen, definierten Gesamtsystem funktioniert und

2. Ist man sich darüber bewusst, wie viele wir eigentlich sind, wird klar, dass diese Kraft auch in ein Druckmittel zur Durchsetzung der Erhaltung jenes bewährten Rahmens umgewandelt werden kann.

Wir sind überwältigt von der massiven Teilnahme an diesen bundesweiten Demonstrationen.

Offenbar waren Teile der Berliner Polizei auch überwältigt im Angesicht der realistisch geschätzten 5000 Taxen, als sie unserer Ansicht nach zwei der drei Taxiströme bei der Ausübung ihres Demonstrationsrechtes nicht ausreichend unterstützten – wir haben hier eine freundliche Formulierung gewählt.

Eine Veranstaltung, die sich als Mündung einer Kraftanstrengung versteht, welche sich wiederum zwangsläufig aus den Entbehrungen der die Kraftanstrengung Vornehmenden nährt, ist nur dann erfolgreich, wenn sie diese Vornehmenden mit Zuversicht entlässt. Dies ist dem sich zum „Bundesverband Taxi und Mietwagen“ umbenannt habenden BZP ausgerechnet diesmal nicht gelungen.

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