CleverLabo zurück aus der Zukunft

Das LABO, unter der Rechts- und Fachaufsicht der Senatsverwaltung für Inneres und auch der für Verkehr, übt sich in Ignoranz gegenüber allen anderen Erwartbarkeiten außerhalb derer von Konzerninteressen und dient sich nun auch der deutschen Bahn an.

Frau von Chamier, Gruppenleiterin III C 3, unterzeichnet „im Auftrag“ ein Schreiben des LABO, welches feststellt, dass die Innung des Berliner Taxigewerbes e.V. am 8.11.2019 Gelegenheit zur Stellungnahme in Sachen CleverShuttle hat. Die „Innung“ antwortete schon im November 2018 – das Taxigewerbe ist seiner Zeit ja gerne etwas voraus – auch wenn es momentan wegen angeblichem Antiquiertseins zum in der Ecke stehen verdonnert wurde.

Jetzt, im März 2019, ist das LABO zurück aus der Zukunft und setzt die dort gewonnenen Erkenntnisse prompt in eine Genehmigung für weitere 120 CleverShuttles um.

Zitat:

Die Erweiterung auf 150 Fahrzeuge kann daher zur Erlangung einer belastbaren Datengrundlage für die Beantwortung der Frage führen, ob App-Sammelverkehre einen Beitrag zur Verkehrsvermeidung leisten können. Für das Land Berlin ist es von erheblichem Interesse, dass die bereits laufenden Erprobungen belastbare Ergebnisse liefern. Die Erhöhung der Konzessionszahl im Rahmen der Erprobungsgenehmigung ist zwar gemessen an dem bisherigen Fahrzeugbestand nicht unerheblich. Allerdings war die bisherige Anzahl sehr defensiv festgelegt worden, um Störungen schützenswerter herkömmlicher Verkehre bereits im Vorfeld zu vermeiden, da noch keinerlei bis wenig Erfahrungswerte zu den Auswirkungen vorlagen.“

Der Berliner Senat, der „Alternativen zum motorisierten Individualverkehr erproben und schaffen“ will, winkt also den Antrag auf weitere 120 Wagen durch. Und dies völlig ungeachtet der aktuellen Lage des Taxigewerbes in Berlin und eben der „Störungen schützenswerter herkömmlicher Verkehre“, sowie auch völlig ungeachtet geltender Gesetze mehr und mehr Mietwagen zugelassen werden, die hauptsächlich von durch Uber vermittelte Aufträge Umsatz generieren und im Widerspruch zum §49(4) PBefG die Straßen überfluten. So werden – „Augen zu und durch!“ – ausschließlich Konzerninteressen befördert.

Wer tatsächlich der Urheber des Schreibens ist und wie sich die Entscheidungsfindung gestaltete lässt sich nur mutmaßen. Da steht zum Beispiel, dass sich anhand der von CleverShuttle „aufgelieferten Kennzahlen“ eine mangelnde Unterstützung des Bündelungseffektes trotz Ausweitung des Bediengebietes zeigen würde. Abgesehen davon, dass der Bündelungseffekt sich vielleicht auch gerade wegen der Ausweitung des Bediengebietes nicht einstellen könnte – „aufliefern“? Ein Blick in den Duden: selten gebrauchtes Verb, bedeutet: „eine Sendung bei der Bahn aufliefern, ich liefere mein Reisegepäck morgen auf“… Deutsche Bahn, CleverShuttle, … ok, soweit verstanden.

Ob die, wie auch immer beigebrachten, Kennzahlen der Realität entsprechen weiß wohl die CleverShuttle-App allein. Stichprobenartig in selbige hineingeschaut sind immer Wagen verfügbar, was sich auch mit dem Bild deckt, welches man auf der Straße gewinnt – man sieht die Wagen häufig leer herumfahren.

Die Argumentation des LABO-Schreibens in Kurzform: Mehr CleverShuttles erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass Routen verbunden werden. Man will schadstoffarme Alternativen zum motorisierten Individualverkehr unterstützen und beruft sich auf entsprechende in Betracht kommende Maßnahmen zur Reduzierung des Schadstoffausstoßes laut Mobilitätsgesetz. Man sieht durch steigende Fahrtwünsche Potential für das Pooling.

Der schönste Satz: „ Es liegen in Deutschland noch keine Erfahrungen vor, welcher kritischen Masse es bedarf, damit die Effizienzpotentiale dieser Verkehrsform gehoben werden können, insofern ist die stufenweise Erweiterung und ein entsprechend erweitertes Monitoring sachgerecht, um diese Erkenntnis für einen großstädtischen Raum wie Berlin gewinnen zu können.“

Im Klartext: Es funktioniert nicht, wie gewünscht. Problemlösungsversuch: „mehr desselben“ und es wird schon irgendwie gehen.

Auf die Wirtschaftlichkeit eines Unternehmens, das für knapp 7 Euro von Kreuzberg zum Hauptbahnhof befördert, soll insofern eingegangen werden, als die vermeintlich ansteigende Zahl der Fahrtwünsche nicht auf ein gutes Geschäftskonzept hinweist, sondern vielmehr auf das Bedürfnis der Menschen, für wenig Geld befördert zu werden.

Ein kluger Kollege merkte dazu an: „So wie die Menschen gern billig gefahren werden wollen, so würden sie auch gern billig verwaltet werden. Sie haben natürlich auch keinen Bock drauf, so viel von ihrer Kohle für eine ebenso teure, wie inkompetente und von Lobbyisten unterwanderte Verwaltung raus zu hauen. Wenn es eine privatwirtschaftlich organisierte Alternative zu Steuern und Staat gäbe, sollte man die dann auch genehmigen?“

Was erwarten wir von einer Stadt, in der die aufgrund des Dieselskandals nicht verkäuflichen Autos die nicht benutzten Parkplätze des ewig im Bau befindlichen Flughafens füllen?

Ganz ohne Kristallkugel und Tippfehler können wir in die „Zukunft“ reisen, wenn wir uns anschauen, was in den Ländern geschehen ist und geschieht, in denen die Gesetze zum Wohle der Konzerne aufgeweicht und abgeändert wurden. Deutschland hätte jetzt mal die Gelegenheit was „richtig“ zu machen….